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25.05.2011

Belegschaftsinitiative von hessnatur gründet Genossenschaft hnGeno

Betriebsübernahmen durch Beschäftigte sind eine Seltenheit. So eine aktuelle Untersuchung des Klaus Novy Instituts für die Hans Böckler Stiftung. Im hessischen Butzbach könnte eine Betriebsübernahme allerdings eine echte Alternative bedeuten. Was Ende 2010 zunächst nur als politische Aktion gedacht war, um sich gegen eine feindliche Übernahme durch das amerikanische Private Equity Unternehmen Carlyle (bekannt als einer der führenden Rüstungsinvestoren) zur Wehr zu setzen, ist mittlerweile tatsächlich eine wirtschaftliche Alternative zum bestehenden System.

Denn aus einer Solidaritätsinitiative von attac entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Genossenschaft. Der Arbeitskreis Solidarische Ökonomie von attac gab die Anregung zu einer genossenschaftlichen Gründungsinitiative. Die Betriebsräte Walter Strasheim-Weitz und Christina Pöttner waren die zentralen Akteure der Umsetzung und trugen die Idee zu den Beschäftigten. Sie wurden dabei von verschiedenen Institutionen wie attac, der Kampagne für Saubere Kleidung oder dem Zentralverband der Konsumgenossenschaften unterstützt. Im März dieses Jahres wurde die Genossenschaft von 22 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile haben sich rund 3.000 Personen (vor allem Beschäftigte und Kunden) der hnGeno angeschlossen, deren Einzelanteile für je 250 € zu erwerben sind. Ob dies ausreicht, das eigentlich prosperierende Unternehmen als Genossenschaft in Belegschaftshände zu bringen, ist noch offen. Hierzu sollen bis zu 30 Mio. € erforderlich sein.

hessnatur zählt mit 70Mio. € erwartetem Umsatz, 330 Beschäftigen und 700.000 Kunden zu den Vorzeigeunternehmen der Ökobranche. Die Firma gehört zur Primondo Specialty Group (PSG), die wiederum eine Tochter des insolventen Arcandor-Konzerns ist. hessnatur lässt seine Bekleidung nach strengen ökologischen Kriterien und unter fairen Bedingungen fertigen. Eine Fallstudie des Klaus Novy Instituts über hessnatur belegte bereits 2004 den positiven Zusammenhang zwischen ökologisch ausgerichtetem Unternehmen, Mitbestimmung und Beschäftigtenbeteiligung.

Das erste Teilziel hat die Belegschaftsinitiative jedenfalls erreicht. Wie die Frankfurter Rundschau am 16.05.2011 berichtet, hat Carlyle das Interesse an der Übernahme verloren. Damit läuft die Genossenschaft auf die Zielgerade für einen Neuanfang des nachhaltigen Unternehmens ein. Dieser Neuanfang bietet die Chance, die textile Wertschöpfungskette vom Rohstoffanbau bis hin zum Konsumenten ganzheitlich zu schließen und Beteiligung zu ermöglichen. Das Ziel der Genossenschaft rückt jedenfalls in greifbare Nähe, das der Betriebsratsvorsitzende und Vorstand der hnGeno Strasheim–Weitz so formuliert: „hessnatur zu kaufen und zu einem demokratischen Vorzeigeunternehmen zu machen, ist ein genialer Ansatz. Wir können garantieren, dass unsere Rahmenbedingungen erhalten bleiben - Mitbestimmung, Demokratie, Tarifverträge und nachhaltige Unternehmensentwicklung.“ Sollte die Belegschaftsinitiative erfolgreich sein, kann dies anderen Belegschaftsinitiativen Mut machen. Ebenso kann der Unternehmensform Genossenschaft zu neuer Attraktivität als demokratische Alternative verholfen werden.

Weitere aktuelle Informationen unter: www.hngeno.de
Untersuchung zu Belegschaftsinitiativen:
Klemisch/Maron: Umweltmanagementsysteme und integrierte Produktpolititk, KNi paper 02/04, Köln September 2004, ISSN: 1619-1633

 

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